In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 1842 brach in einem Haus der Deichstraße Feuer aus. Die Nachtwächter lärmten mit Rasseln und Rufen. Die Soldaten auf den Wachen feuerten Signalschüsse ab, und die Türmer läuteten die Feuerglocken. Damit wurde die Feuerwehr zur Hilfe gerufen.
Schnell breitete sich das Feuer in den hölzernen Fachwerkhäusern aus. Es sprang über das sieben Meter breite Deichstraßen-Fleet auf die Häuser der Steintwiete über. In kürzester Zeit standen die Speicher in der Steintwiete und die Häuser bis runter zum Rödingsmarkt in Flammen.
Die schmalen Gassen wurden zu tödlichen Fallen. Die Löschkarren konnten nicht in die schmalen und überfüllten Gassen kommen. Leute flüchteten in wilder Panik. Hunderte rannten schreiend durch brennende Häuserschluchten. Andere versuchten ihre Habe zu retten. | |
| Die Feuerwehrleute arbeiteten unermüdlich, aber vergeblich. Um die Mittagszeit erreichten die Flammen den Turm der Nikolai-Kirche. Gegen 6 Uhr abends stürzte der Turm unter Donnern und Krachen ein.
Aus den Speichern floss Alkohol in die Fleete. Er brannte auf dem Wasser, entzündete die Pfähle in den Fleeten und gefährdete Schiffe und Brücken. Um 11Uhr abends übersprang das Feuer den Alsterlauf. Nun war das Rathaus in Gefahr. Obwohl die Brandleute Gebäude sprengten, breitete sich das Feuer unaufhörlich weiter aus.
Mehr und mehr Feuerwehrleute kämpften gegen ein unüberschaubares Flammenmeer.
In der Katharinenstraße und im Grimm saßen Leute auf den Hausdächern und löschten jeden Funken aus, den die starken Winde herüberbliesen. So konnte das ganze Kirchspiel St. Katharinen gerettet werden. |
Reiche Leute retteten ihre Habe und transportierten sie mit Kutschen und Schuten. Arme Leute konnten sich keine Kutschen leisten und verloren ihren ganzen Besitz. Die schmalen Straßen waren verstopft mit Karren, Möbeln und Waren. Die Arbeit der Feuerwehrmänner war äußerst schwierig.
Das Chaos wuchs und führte zu Anarchie: Plünderungen und Raub. | |
| Viele Leute hatten sich mit ihren geretteten Sachen in die Börse geflüchtet. Später mussten sie die Börse verlassen, weil schon alles rundherum brannte. Mehrere mutige Männer fassten den Entschluss, die Börse zu retten.
Einige dieser Leute gingen auf das Dach. Sie hatten nasse Tücher um den Kopf, und die Füße dick umwickelt. So tappten sie auf den heißen Kupferplatten hin und her und stießen mit Eisenstangen die herüberfliegenden Brände hinunter. Sie erstickten sie mit nassen Tüchern, immer in Gefahr, selbst hinabzustürzen, da der Qualm ihnen jede Sicht in die Weite nahm, das Hirn benebelte und die Augen zu Tränen reizte. Sie mussten oft abgelöst werden.
Der Südwind trieb das Feuer gegen den Gänsemarkt. Hier konnte eine Sprengung helfen. |
Brandmeister sprengten ganze Häuserblocks an der Trostbrücke und das Rathaus. Ein verzweifelter Versuch, das Feuer aufzuhalten, aber vergebens.
Das Feuer erreichte nun die Petrikirche. Gegen 9 Uhr abends brannte ein Teil des Turmes, den niemand erreichen konnte. Am nächsten Morgen stürzte der Turm ein.
In der Nacht zum Sonntag dreht der Wind und trieb die Flammen Richtung Alster. Tausende Feuerwehrleute arbeiteten noch immer und konnten nun das Feuer löschen. Die Straße, wo das Feuer sich legte, wurde „Brands Ende“ genannt.
Am Sonntag, den 8. Mai, leuchtete ein Regenbogen über der zerstörten Stadt Hamburg. Ein Drittel der Stadt war zerstört. 51 Menschen starben, 20 000 waren obdachlos.
Der wichtigste und historisch bedeutsamste Teil Hamburgs lag in Schutt und Asche: Nikolaikirche und Petrikirche, Altes Rathaus, Kran, Stadtwaage. | |
| Not und Elend in Hamburg waren groß, aber groß war auch die Unterstützung von vielen anderen Städten..
Die Hamburger begannen mit Mut und Tatkraft, ihre Stadt wieder aufzubauen. Man baute die Häuser nicht wieder an den alten Straßen auf. Der Staat kaufte alle Grundstücke. Er legte neue breite Straßen an und baute zum ersten Male Sielanlagen hinein. Alle Straßen wurden gepflastert und erhielten Bürgersteige und Gaslaternen. Sie leuchteten heller und waren billiger als die alten Öllampen.
So entstand ein ganz neues Stadtviertel. Neben der Börse ließ man einen großen Platz für das Rathaus frei. 1892, erst 50 Jahre nach dem großen Brand, wurde das neue Rathaus errichtet.
Die kleine Alster erhielt eine ganz andere Form. Daran entstanden die "Alsterarkaden" und die "Schleuse". Nun konnten Schiffe von der Elbe in die Alster gelangen.
Die St. Petrikirche und die St. Nikolaikirche wurden wieder aufgebaut. |